Das erste Mal …

Februar 2, 2016 Johann No comments exist

Hallo lieber Leser.

 

In diesem Artikel möchte ich dir von meinem ersten Trade berichten und einen Eindruck davon vermitteln wie ich mich dabei gefühlt habe bzw. was für einen Einfluss etwas so banales wie ein Mausklick haben kann.

 

Es ist schon irgendwie lustig, aber wenn ich mir meinen Eintrag vor, während und nach meinem ersten Trade in meinen Notizen durchlese, dann kann ich mich noch genau daran erinnern wie das war. Dieser ist zwar auch erst 7 Wochen her, aber trotzdem krieg ich eine leichte Gänsehaut beim Gedanken daran.

 

 

Vor dem Trade …

 

Bevor ich den eigentlichen Trade gemacht habe, habe ich mir natürlich bilderbuchmäßig Stunden lang den Markt angeschaut und den richtigen Einstieg gesucht, meine Emotionen hinterfragt und auf den perfekten Moment gewartet ….

 

So wären meine Zeilen gedacht gewesen, wenn ich denn tatsächlich so gehandelt hätte. Ich habe natürlich vor dem ersten Trade auch Bücher zum Thema gelesen, youtube Videos gesehen etc. pp. Nur leider bereitet dich nichts davon auf das vor was du letzendlich am Rechner tust.

In diesem Moment bist du alleine, auf dich gestellt und komplett vereinsamt mit deiner Euphorie, Angst und stellenweise auch kompletten Hilflosigkeit. Klingt vertraut … ? Vielleicht für den ein oder anderen absolut verrückt. Wie kann jemand sowas wie Angst fühlen, wenn er vor dem Rechner sitzt?

Genau das ist die große Frage, aber dieser Moment ist nicht beschreibbar … unabhängig davon was du bis hierhin vom trading gelesen, gehört oder gesehen hast … der erste Trade mit deinem eigenen Geld … das ist etwas was du erleben musst !

 

Ich selbst saß absolut euphorisch vor dem Chart, hatte ich doch meine Einzahlungsbestätigung eben erhalten und ließ mich natürlich nicht dazu verleiten erst einmal rational runterzukommen und zu überlegen was der nächste Schritt sein sollte. Schließlich habe ich mich vorher „damit beschäftigt“ und über viele Monate hinweg gelesen, geschaut und gelernt. Das Demokonto habe ich auch genutzt und während dieser Zeit natürlich auch einen Tradingplan ausgearbeitet, nur an diesen muss man sich zuerst einmal halten …

 

Der EURUSD sollte es sein, dieser ist schließlich … naja warum will ich diesen überhaupt traden? Egal, hauptsache ein Markt. Wir zahlen mit Euro und der Dollar ist … naja der Dollar, also wird schon alles passen. Das heißt einfach einen Markt für mein Echtgeldkonto gewählt und pauschal den M5 Chart rausgesucht. Schließlich muss ich noch zur Spätschicht und hab nicht die Zeit mich mit H1 zu befassen. Schnell einen Trade, schnell Geld machen und schnell für die Arbeit fertig machen … schnell, schnell, schnell … die Zeit ist knapp am Markt … (?)

 

Tradingchart

 

Kurz in den Chart geblickt und schon das erste Signal für einen Aufwärtstrend erspäht. Gemäß meiner „Erfahrungen“ im Demokonto eine Positionsgröße festgelegt, schließlich reicht hier pi mal Daumen, denn ich möchte auf keinen Fall den Einstieg verpassen … und klick !

 

Die erste Order wurde platziert …

 

 

Während dem Trade …

 

Ich startete natürlich erst einmal im Minus, aber trotz der Tatsache das ich wusste was der Spread zu bedeuten hat, bekam ich eine etwas nervöse Grundhaltung. Diesmal war es mein Geld was dort rot dargestellt wurde und nicht irgendeine abstrakte Spielgeldzahl.

 

Mit einem leicht kribbeligen, nervösen Gefühl im Hinterkopf saß ich also vor dem Chart und sah wie die rote Zahl immer kleiner wurde, was mir recht gab das mein Trade in die richtige Richtung lief. Nur hat das leider nichts an meiner Nervosität geändert … rein gar nichts !

 

Der Chart lief also weiterhin in meine Richtung und kurz vor dem Übergang ins Plus drehte dieser dann auch schon …

 

Ich erklärte mir das erst einmal als natürliche kleine Korrektur des Marktes, schließlich kaufen und verkaufen ständig Teilnehmer am Markt ihre Positionen. Dadurch kann schonmal eine Bewegung etwas stocken, also ruhig Blut. Leichter gesagt als getan … die Nervosität artete langsam aus und ich fing an schwerer zu atmen.

 

„Was ist hier eigentlich los? Du hast schon mehrere Trades im Demokonto gemacht und plötzlich flippst du fast aus, weil die Bewegung nicht sauber läuft?“

Genau so war es …

 

Aus meinem Trendsignal wurde in kürzester Zeit eine größer werdende negative rote Zahl in meiner Software und je größer diese nun wurde, desto mehr Fragen stellte ich mir.

„War das Signal gar keins?“

„Was genau hast du dir dabei gedacht einfach mal einen Trade zu machen, ohne richtig hinzusehen?“

„Warum hast du nicht länger beobachtet?“

 

Angst

 

So saß ich also vor meinem Chart, hielt an meinem Trade fest, schließlich habe ich meinen Stop-Loss nicht einfach willkürlich gesetzt, in der Hoffnung das es besser wird …

 

Es ist schon faszinierend wie man Logiken bzw. Systeme/Setups annimmt, versteht und auch zu hinterfragen weiß, aber in einer Situation wo so viele Emotionen in einem herrschen alles komplett anzweifelt !

 

Ich durchlief noch viele Zustände, von tatsächlicher Angst …

Angst das ich niemals ein Trader werden würde, schließlich war der erste Trade schon ein Verlusttrade, wie kann man da noch an eine Zukunft in diesem Beruf denken?

… über Zweifel ….

Zweifel daran das die Zeiteinheit nicht die richtige für mich war, das ich die Markttechnik doch nicht verstand usw.

… bis hin zu absoluter Hilflosigkeit …

Hilflosigkeit im Sinne von „Wer erklärt mir nun was ich falsch gemacht habe?“.

 

All das sind keine bloßen rhetorischen Beschreibungen, die ich hier herein schreibe damit es dramatischer wirkt, sondern tatsächliche Zustände die ich innerhalb dieser wenigen, kurzen Minuten erlebt habe. Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, in denen ich keine Sekunde vom Chart wegschaute und mich nicht einmal traute einen Schluck Wasser zu nehmen.

 

Bei meinem ersten Trade habe ich 11,77 Euro Verlust gemacht.

 

 

Nach dem Trade …

 

Nachdem ich nun den Verlust in meinem Konto sah schnappte ich mir mein Notizblock und machte mir Notizen zum gesamten Trade und vor allem meinen Gedankengängen und Emotionen.

 

Nun, nachdem der Verlust verkraftet war dachte ich kurz über meinen Fehler nach und versuchte  diesen zu analysieren. Nur leider war ich weiterhin sehr emotional und anstatt mich mit meinen Emotionen zu befassen, habe ich lediglich meinen Trade betrachtet. Natürlich ist in einer solchen Situation die Analyse fast unmöglich, weshalb mir mein Fehler auch nicht wirklich bewusst wurde. Vielmehr erklärte ich mir den Trade mit unterschiedlichen Gründen … ob einer davon nun zutraf oder nicht ist eigentlich egal … der wahre Grund war eigentlich ein euphorischer Einstieg, ohne konkrete Analyse, aber das ist mir natürlich erst viel später aufgefallen.

 

Ich habe an diesem Donnerstag satte 5 Trades innerhalb von genau 60 Minuten in den Markt platziert und auch beendet bzw. wurde ein- oder ausgestoppt. Der Tag endete mit einem Gewinn von 8 Euro und ich war glücklich, aber auch total ausgelaugt …

 

Jeder einzelne dieser Trades war eine einzige Achterbahnfahrt mit unterschiedlichen Gefühlslagen und panikähnlichen Zuständen … nicht das ich wirklich große Angst hatte wegen dem Betrag den ich verloren habe. Nur fängt jeder das Trading aus unterschiedlichen Gründen an, aber immer mit dem Ziel erfolgreich sein zu wollen.

 

Wenn aber nun deutlich wird dass das Trading nicht so einfach ist wie es scheint, nämlich den Chart zu betrachten, abzuwarten und dann los, dann wird einem klar wie steinig und weit der Weg wohl sein dürfte. Ich meine … jeder weiß das man alles im Leben erst einmal erlernen muss, aber irgendwie ist es im Trading so das … die Einfachheit eines simplen Klicks einen darüber hinwegsehen lässt wie komplex die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich doch ist.

 

Ich für meinen Teil möchte die ersten 2 Wochen meines Tradings nicht missen, denn erst da wurde mir so wirklich bewusst wieviel Trading mit dem Thema Psychologie und Selbstreflexion zu tun hat.

 

Diese zwei Wochen und vor allem der erste Tag waren mit die heftigsten der letzten Jahre. Ich habe körperlich, wie auch mental absolute Höchst- und Tiefpunkte erlebt, wie ich sie bislang nur aus Extremsituationen kannte und das indem ich einfach nur vor dem PC saß und mir einen Chart ansah … absolut faszinierend !

 

Ich habe an mir gezweifelt, meinem Setup, der Markttechnik, meiner gewählten Zeiteinheit … einfach an allem ! Alles schien der Grund zu sein warum es nicht lief, eine Erklärung dafür warum es nicht klappte …

 

Jeder einzelne Tag hat mir geholfen mich besser zu verstehen, das was ich tue zu hinterfragen und zu einem Schluss zu kommen. Ist dieser nun richtig oder falsch? Ich weiß es nicht … es ist auch nicht wichtig, denn auf dem Weg zum Erfolg, diesen definiert jeder anders für sich, macht man Fehler und lernt aus diesen … zumindest sollte man das.

 

Die emotionale Seite des Tradings und alles was damit zusammen hängt ist nichts was man beschreiben kann … DU musst es erleben !

 

Gruß

Johann

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