Markttechnik – Eine kritische Betrachtungsweise

Oktober 19, 2016 Johann 4 comments

Die Markttechnik

Mein Versuch einer kritischen Betrachtungsweise

 

 

Update 24.04.2017: Aktualisierungen werden in dieser Farbe gemacht.

 

Hallo liebe Leser.

 

Mit diesem Artikel lehne ich mich weit aus dem Fenster und schildere meine aktuelle Meinung (Stand 04.10.2016) zum Thema Markttechnik und auch stellenweise der gesamten Tradingszene an sich, äußere Kritik und versuche diesbezüglich ein Fazit herzuleiten. Ich werde diesen Artikel auch in die Bibliothek übertragen, möchte aber vorab erst einmal auch evtl. eure Kommentare hierzu lesen, falls denn welche kommen. Dazu dürft ihr gerne die Kommentarfunktion hier im Blog nutzen oder aber bei längeren Posts eine E-Mail an johann@tradingreise.com schreiben.

 

Ich trade seit Dezember 2015 mit der Markttechnik nach Voigt/Cene/Umland auf einem Echtgeldkonto, benutze diesbezüglich keinen einzigen Indikator oder Oszillator und bezeichne mich als Trendfolger/Bewegungstrader. Nachdem ich mittlerweile alle Bücher von Voigt durchgearbeitet habe, mir die Bücher von Carsten Umland und Erdal Cene besorgte und auch die DVD „Kleines Konto groß traden“ von Mario Lüddemann inhalierte, muss ich für mich an dieser Stelle feststellen das die Markttechnik nichts für mich ist. Damit möchte ich nicht sagen dass ich der Markttechnik eine grundsätzliche Effektivität abspreche, vielmehr bin ich der Meinung dass diese für den Großteil der Trader nichts taugt.

 

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass ich ausschließlich Währungspaare trade und sich meine Ausführungen auch nur darauf beziehen! Wenn jemand für sich selbst sagt (dieses habe ich bislang oft gehört und gelesen), dass es im Handel mit Einzelaktien wesentlich erfolgsversprechender ist, dann kann ich mich dazu nicht sachlich äußern, weil mir diesbezüglich Erfahrungswerte fehlen. Nur leider gibt es mein Konto aktuell nicht her, dass ich auch Einzelaktien oder CFDs mit entsprechendem Risiko traden kann. Sobald sich das ändert und ich mich dazu entscheide dies nochmals zu probieren, wird hier ein Update kommen.

 

Durch viele Gespräche und Kommentare von Markttechniktradern bin ich zu der Meinung gelangt, dass ein Großteil der Menschen mit dieser Methodik nicht klarkommt. Viele Coaches der Markttechnik sind sehr zweifelhaft und man weiß nie so richtig ob diese Personen überhaupt traden was sie predigen oder ob es mehr Schein als Sein ist. Ich persönlich kenne von keinem Markttechniktrader die offiziell öffentliche Performance. Keiner zeigt mal her was er hat, vielmehr sind das meistens wunderschöne Screenshots von Einzeltrades, aber solche kann ich auch liefern … und ich nehme keine 2800 Euro für ein Seminar oder 500 Euro für eine Coachingstunde.

Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gelangt, dass kein Trader/Coach mir gegenüber zu etwas „verpflichtet“ ist. Performancekurven zu zeigen ist weitaus einfacher als gedacht. Ich könnte euch eine Strategie bauen, diese auf unterschiedlichsten Demos in unterschiedlichsten Produkten laufen lassen und daraus die schönste Kurve als Repräsentant nehmen. Veröffentlichte Performancekurven sagen gar nichts aus!

 

Ich bitte euch den gesamten Text zu lesen, da ich einzelne Punkte abarbeite und zu einem Kontext forme. Dieser stellt meine persönliche subjektive Meinung dar und ich möchte damit niemandem etwas schlecht reden. Wenn ihr euch dadurch persönlich, intellektuell oder auf andere Art und Weise angegriffen fühlt, dann tut mir das leid. Mir geht es nur darum auch meine Perspektive offen und möglichst sachdienlich darzustellen, mit einem gewissen Touch an subjektiver und emotionaler Einschätzung. Gerne dürft ihr mir eure Meinung dazu schreiben, ob nun als E-Mail oder im Facebook. Ich diskutiere sehr gerne über meine Erfahrungen, möchte hier nur bitten neutral an die Sache ranzugehen.

 

Bevor ihr anfangt zu lesen, würde ich euch bitten euch zu fragen ob ihr ein Anhänger der Markttechnik seid oder nicht. In diesem Zusammenhang kurz durchzuatmen und vollkommen unbefangen an diese Sache ranzugehen. Lest den Artikel und macht euch dazu eure Gedanken. Emotionale Kritik an der Kritik ist wenig hilfreich, vielmehr möchte ich auch meinen Horizont erweitern. Vergleiche mit anderen Finanzprodukten und entsprechende Kommentare wie „Ja, das trifft aber auch auf xyz zu“ helfen hier leider absolut nicht weiter und entkräften das Argument nicht. Ich würde euch also bitten solche Kommentare zu unterlassen und wenn überhaupt dann sachlich zu argumentieren.

 

 

1.) Die Markttechnikszene ist intransparent

 

Es kursieren Gerüchte darüber das die meisten Tradingcoaches der Markttechnik gar keine positive Performance aufweisen bzw. von dieser gar nicht leben könnten. Da es diesbezüglich auch keine Transparenz gibt, bleibt es ein Gerücht, nur widerlegen kann es leider auch vermutlich keiner. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen das diese Aussagen aus dem Internet stammen und ich mich damit nicht in Verbindung bringen möchte. Ich greife diese Behauptungen hier nur auf, weil die Anzahl doch verdächtig groß und breit gestreut ist.

 

In diesem Zusammenhang war ich immer der Meinung „Ist doch egal ob der traden kann, so lange der mich zum erfolgreichen Trader coached“. Nur ist es nicht ganz so einfach. Jemand der seine eigene Theorie nicht praktisch positiv umsetzen kann, gerade wenn es um die finanziellen Aspekte im Leben geht, ist leider nicht eine Minute der eigenen Aufmerksamkeit wert.

 

Ich möchte den Markttechnikcoaches und –schriftstellern gar nichts vorwerfen, nur so viel dass diese leider niemals etwas geliefert haben. Das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber auf einem Sofa darf man probeliegen oder probesitzen, bevor man es kauft. Bei einer Versicherung erhält man ein Leistungsversprechen im Schadensfall und bei einem Personal Trainer kann man im Nachgang immer noch „Beschwerde“ einlegen, wenn das Training nicht fruchtet, sodass dieser sich auch mit einem beschäftigt, obwohl die Kohle bereits bezahlt wurde. Im Trading ist das oftmals anders. Man weiß niemals ob ein Coach gut ist oder nicht, weil die Branche an sich total intransparent ist. Das betrifft auch andere Tradinginstrumente, nur ist die Markttechnik aktuell in Deutschland sehr stark vertreten, was das Coaching angeht. Somit laufen da draußen nur Experten rum, die aber niemals etwas Hand festes vorweisen können. Weder weiß man wirklich wer diese Menschen sind, noch weiß man ob sie erfolgreich sind. Ein Gespräch im Skype wird stellenweise schon in Rechnung gestellt, das heißt ein Kennenlernen des Coaches wird oftmals ebenfalls verwehrt bzw. erschwert. Ich soll also tausende Euros für einen Fremden bezahlen, von dem die Statistik sagt das er vermutlich zu den nicht erfolgreichen Tradern gehört … finde ich etwas seltsam.

 

Auf den ganzen großen Events reichen sich die Coaches untereinander die Hand, schließlich kennt man sich und muss in diesem Zusammenhang auch eine positive Einstellung bewahren. Aufgrund der kleinen Gemeinschaft möchte man natürlich kooperieren und unterstützt sich gegenseitig, was ich übrigens sehr löblich finde (ehrlich gemeint). Somit kriegt man auch von anderen Coaches niemals gesagt, ob ein Kollege erfolgreich ist oder nicht. Das heißt man ist als Tradinganfänger absolut auf sich allein gestellt und kauft immer die Katze im Sack. Dasselbe gilt übrigens für Youtube und Konsorten. Ich treibe mich seit den Anfängen von Youtube dort rum, bin unfassbar dankbar für den kostenlosen Content, den es früher nicht gab und der aktuell zu Hauf existiert. Aber was mir immer etwas sauer aufstößt ist die Tatsache, dass sich innerhalb einer Branche so viele Verkäufer unterstützten, ohne mal sachliche Aussagen zu liefern. Ich will gar nicht darauf hinaus dass man einen Kollegen schlecht machen soll, das steht einem gar nicht zu. Mir geht es vielmehr darum nicht mit jedem kooperieren zu wollen, nur um seinen Mist mit zu verkaufen. Natürlich gibt es hier auch sehr positive Beispiele von Personen, die sehr sachliche und qualitative Inhalte bieten, aber eben auch das Gegenteil. Also ich spreche hier nicht jeden Coach an, sondern nur diejenigen die ohne sachdienlichen Inhalt Videos produzieren um ihren Mist zu verkaufen, der meistens nichts taugt. Kritische Kommentare oder Kundenberichte werden dann auch noch gelöscht.

 

Ebenso gibt es kaum nachweislich positive mittel- bis langfristige (5 Jahre und mehr) Performancenachweise von normalen Tradern der Markttechnik. Mal abgesehen dass die Coaches nichts posten, aber zu sagen dass alle erfolgreichen Trader total abgeschottet in deren Villen sitzen und deshalb nicht kommunizieren, weil diese so erfolgreich sind dass sie keine Lust auf den ständigen Austausch haben ist ein Stück weit lächerlich in meinen Augen. Wenn diese kleine Szene (die Markttechnikerszene) von großem Erfolg begleitet werden würde, dann wäre das hinlänglich bekannt, zumindest würden sich die Verfechter der positiven Performance zu Wort melden. Nur sind es meistens Kleinspekulanten die total dogmatisch starten (ich ebenso) und nach einigen Monaten nie wieder Kommentare posten … ein Schelm wer hier denkt die hätten ihr Konto gecrasht. Mir ist natürlich klar das auch in anderen Trandinginstrumenten (Optionen, Charttechnik, Indikatorentrading etc.) Trader kommen und gehen, aber von einigen aus diesem Bereich weiß ich das diese Performance liefern könnten und auch transparent darstellen. Beispiele dafür gibt es in Blogform oder auf Youtube. Etwas googeln hilft da schon sehr.

 

Die Performance sagt natürlich erst einmal nichts aus, natürlich kann man eine solche auch faken und darum geht es mir auch gar nicht. Ich würde mir nur wünschen in dieser so unfassbar großen Verkäuferszene mal etwas mehr Transparenz reinzubringen. Ich poste nicht umsonst wöchentlich meine Gewinne und Verluste, möchte niemandem auftragen das auch zu tun, aber zumindest mal deutlich zu machen was denn genau für ein Erwartungswert hinter dem eigenen Handeln steht und diesen statistisch belegen! Zu sagen „Ich bringe dir die Markttechnik bei und die ist für mich mit X% Trefferquote, Y% Rendite im Jahr usw. usf. …. Profitabel“ wäre zumindest mal ein Einblick. Nur leider ist das Gegenteil der Fall. Die meisten im Internet beschweren sich über die katastrophale eigene Kontoentwicklung mit dieser Art des Tradings und legen nach Monaten/Jahren das Ganze auf Eis. Leider gilt das aber für alle Arten des Tradings, sodass die Markttechnik hier leider nicht explizit nochmal „analysiert“ wird. Was übrigens nicht möglich ist, mehr dazu weiter unten.

 

Zusammengefasst bleibt somit zu sagen, dass viele die Markttechnik nutzen, aber nur sehr wenige, wenn überhaupt, damit erfolgreich sind. Diejenigen die damit erfolgreich sind können oder wollen es nicht beweisen. Natürlich haben wir nichts zu fordern wenn es um das Geld anderer Leute geht, aber wenn ein Coach tausende Euros haben will für etwas persönliches Gequatsche, dann hätte ich als Kunde vorher auch gerne mal eine Kostprobe. An dieser Stelle übrigens mal ein riesen Lob an diejenigen die in Youtube klare Inhalte liefern und damit a) schon mal eine vertraute Atmosphäre zum Coach schaffen, b) nützlichen Content liefern und c) nicht alle 2 Videos weit ein neues Produkt oder Coachingangebot auf der Website vorstellen!

 

Auch hier bin ich mittlerweile etwas anderer Meinung. Transparenz ist erst einmal individuell zu definieren. Kontostände oder Performance zu fordern, wäre heute gar nicht mehr mein Anliegen, weil ich mittlerweile weiß wie einfach man diese positiv darstellen kann und damit noch nicht einmal lügen würde. An dieser Stelle vielleicht auch ein Tipp an alle. Wenn euer Coach beim Kennenlerngespräch, ob nun per Skype oder persönlich, Geld dafür nehmen möchte, dann lasst die Finger davon. Niemand der seriös coached, in welcher Szene auch immer, coached a) jeden der kommt und b) schon gar nicht ohne diese Person selbst kennenzulernen. Da das Kennenlernen niemandem einen Vorteil bringt, sollte das in beidseitigem Einverständnis auch kostenfrei sein. 60 – 90 Minuten Skypegespräch langen vollkommen um festzustellen ob man überhaupt miteinander arbeiten möchte oder nicht. Schließlich zahlt man im Nachgang mehr als genug dafür und da würde ich persönlich auch ohne Bedenken keinen Cent dafür nehmen wollen.

 

 

2.) Die Inhalte sind simpel und nachvollziehbar, aber subjektiv auslegbar

 

Das ist der größte Kritikpunkt den ich an der Markttechnik habe. Ein Trend ist klar definiert mit Hoch- und Tiefpunkten. Ebenso ist ein Trendbruch klar definiert. In diesem Zusammenhang gibt es aber nochmal einen ineinander verschachtelten Trend, also einen Trend im Trend sozusagen (innerhalb derselben Zeiteinheit). Diese Visualisierung der Trends ist aber rein subjektiv. Wenn ich einen Chart nehme und analysiere, dann ist mir alles klar. Aber wenn ich davor sitze und einen Trade ableiten soll, dann ist es schwierig diesen zu sehen, weil dieser einen Trend im Trend darstellt.

 

Dieser rein subjektive Charakter macht es meiner Meinung nach unmöglich klar zu definieren wie ein Trend aussieht. Ein Trendbruch kann ebenso eine Korrektur des größeren Trends sein, indem der Trend der getraded wurde verschachtelt lag. Das heißt der eine Trader sieht einen Trend, der andere zwar auch, sieht diesen aber nun gebrochen. Sehr subjektiv und bedarf ständiger Erklärungen …

 

Ebenso ist die Qualität der subjektiven Wahrnehmung ausgesetzt. Ich trade beispielsweise einen ganz klaren Aufwärtstrend, weil per Definition das alte Hoch gebrochen wurde und auf dem Weg zu einem neuen Hoch ist. Dieses neue Hoch wird aber im H1 durch eine einzige Kerze dargestellt, die viele Markttechniktrader aber nicht als Aufwärtstrend definieren würden, weil es eben „nur“ eine Kerze im H1 ist. Somit steht der Definition eines Aufwärtstrends eine subjektive Einschätzung gegenüber und der Tradinganfänger macht den Trade per Definition, sieht sich jedoch im Nachgang der Kritik anderer Trader gegenüber, weil deren Meinung nach die Qualität einer einzelnen H1 Kerze nicht aussagekräftig genug ist. Dies lässt sich auch auf den H4 übertragen. Per Definition wurde ein deutlicher Aufwärtstrend im H1 getraded, dieser wird ausgestoppt und im H4 wird daraufhin die Erklärung geliefert.

 

Das heißt, dass alle Trades der Erklärung bedürfen, individuell und subjektiv ausgelegt werden können und selbst die klare und eindeutige Definition nicht immer greift. Zwei Trader der Markttechnik sehen denselben Chart evtl. absolut unterschiedlich. Somit erschwert es immens die strukturierte Herangehensweise, weil es nunmehr immer wieder eine subjektive Einschätzung der Situation ist und das in jeder Situation im Einzelnen.

 

Wer in diesem Zusammenhang sehr kreativ denken kann, die Disziplin hat die Definition zu übergehen und sich selbst auszulegen, der dürfte damit klarkommen. Für mich ist das in meinem strukturierten und systematischen Denken ein absolutes No-Go, da ich solche Abweichungen nicht direkt nachvollziehen kann, es sei denn diese haben eine eigene Ausnahmeregel. Diese gibt es in der Markttechnik leider nicht, vielmehr wird auf Basis „fachlicher Unschärfe“ argumentiert.

 

Am Ende bleibt somit zu sagen, dass die Markttechnik in diesem Zusammenhang eine subjektive Visualisierung des Chartbildes darstellt und jeder Trade im Einzelnen neu erklärt und definiert werden muss. Regeln sind schwer aufzuerlegen und nachzuvollziehen, weil diese nicht messbar gemacht werden können. Mehr dazu in Punkt 3.

 

An dieser Stelle nur eine Verbesserung, weil die Markttechnik tatsächlich subjektiv ist. Die Definition der Markttechnik, damit verbundener Regeln und die Qualität eines jeden Regelwerks/Trades, macht ein jeder Trader für sich selbst. Dadurch das jeder sich diese Definition selbst erarbeitet und für sich auslegt, macht das System somit wieder Sinn. Eine Visualisierung, die individuell ausgelgt wird, aber nachhaltig zum Erfolg führt und von Seiten des Traders profitabel umgesetzt wird, bedarf keinerlei Erklärung. Am Ende des Tages ist es egal, ob meine Herangehensweise Akzeptanz oder Verständnis findet, weil es MEINE Herangehensweise ist und diese für MICH Sinn macht und funktioniert. Dieses zu schulen/coachen ist nicht möglich. Das Verständnis für die Visualisierung bzw. die eigene Definition der Markttechnik muss jeder für sich selbst erarbeiten.

 

 

3.) Fehlende operationalisierte Kriterien, somit kaum Duplizierbarkeit

 

Ein weiterer großer Kritikpunkt, der mit dem 2. Punkt zusammenhängt, ist die fehlende Operationalisierung der Markttechnik. Es gibt keine konkreten messbaren Methoden Trades zu analysieren, außer den Kriterien die man sich selbst auferlegt, aber wer will diese Kriterien in Frage stellen SO LANGE selbige funktionieren? Zumal diese ebenfalls subjektiv sind, weil die Markttechnik in diesem Fall „nur“ eine Visualisierung des Chartbildes ist. Was möchte ich also messen, wenn ich es „nur“ sehe und nicht in Zahlen fassen kann?

 

Langfristig führt das dazu, dass Definitionen komplett durchdacht und neu erfunden werden müssen. Klar ist ein Hochpunkt ein Hochpunkt, aber wie ich diesen für mich definiere entscheide ich selbst. Diesen Spielraum, den man hat, kann man meiner Meinung nach auch nicht als Coach logisch rüberbringen. Dieser ist aus der Erfahrung heraus entstanden und bedarf einer entsprechenden Einarbeitung durch den Trader selbst.

 

Somit ist es unter dem Strich so, dass ein Anfänger für sich selbst erst einmal keine messbaren Kenngrößen hat um seine Trades duplizierbar zu machen, es sei denn er erfindet sie selbst. Nur dann stellt sich die Frage welche Daseinsberechtigung ein so oberflächliches System hat …

 

Die Tatsache dass man in der Markttechnik keine Größen hat, die sich messen lassen führt dazu, dass Trades auch nicht duplizierbar sind. Man traded also einen Trade nach dem anderen, ohne tatsächlich messbar zu erklären warum. Die subjektive Darstellung liegt im Auge des Betrachters und muss ständig erklärt werden, weil es evtl. von einem Tradingkollegen komplett anders interpretiert wird. Letztendlich ist es auch eher so, dass so lange die Methodik funktioniert diese auch angewandt werden darf und kann. Eine mittel- bis langfristige Analyse und die Ableitung deutlicher und logischer Regeln für Tradinganfänger ist damit aber nicht möglich. In diesem Fall bräuchte es nämlich klare Zahlen und deutliche Signale, die objektiv für jeden anwendbar sind. Diese kann evtl. der Trader für sich selbst ableiten, aber dann stellt sich mir die Frage warum dies (bei einem möglichen positiven Erwartungswert) nicht generell gemacht wird?

 

Auch hier muss ich mich korrigieren. Die Markttechnik an sich ist kein System und schon gar keine Strategie, sondern eine Möglichkeit den Markt, die Teilnehmer und damit verbundene Marktbewegungen bzw. Interessen zu erklären. Man sollte die Markttechnik, nach welchem Verfasser auch immer, nicht als in sich geschlossene Möglichkeit des Tradens sehen. Es ist ein Versuch Marktbewegungen und Marktentwicklungen zu erklären, nichts anderes.

Zum Thema Messbarkeit habe ich eine ganz einfache Meinung. Der Chart an sich ist eine Visualisierung von Daten. Jeder Indikator, Oszillator oder was auch immer man in den Chart wirft, ist eine messbare Größe. Somit bleibt am Ende zu sagen, dass die Markttechnik sehr wohl und sehr einfach messbar gemacht werden kann. Nur die Art und das Instrument der Messung wählt jeder für sich selbst. Hier kommt auch wieder die subjektive Herangehensweise zum Tragen, die es eben so interessant macht. Wenn jemand aus dem Chart heraus lesen kann, dann ist das eine Möglichkeit der Messung. Unterstützungen und Widerstände … sehr subjektiv, trotzdem eine Art der Messung. Der eigene Trandingstil spielt hier die entscheidende Rolle.

 

 

4.) Regeln müssen erst selbst erarbeitet und definiert werden

 

Das ist der Punkt der mir am Anfang am meisten missfallen hat. Man wird an eine Tradingform herangeführt, die einem absolut keine Regeln auferlegt. Alle reden immer groß von Tradingsetups, -regeln und –signalen, aber eine konkrete Definition liefert keiner dafür. Keiner sagt wie das Setup aussehen soll, außer man zahlt 2000 Euro dafür. Ebenso erklärt einem keiner wie diese Regeln konkret auszusehen haben (das ist auch nicht machbar, eben WEIL es so subjektiv visualisierbar ist).

 

Somit hat man ein System, das kaum bis gar nicht messbar ist, sehr subjektiv visualisiert wird und dann auch noch keine konkreten Regeln mit sich bringt. Ich glaube nicht, dass jemand mir eine Quelle der Markttechnikdefinition nennen kann, in der deutliche messbare Regeln dargestellt werden. Wenn ich ein Buch zum Thema Optionen nehme und mir dort die Optionsregeln/-strategien angucke, dann steht da wann du bei wieviel Prozent was zu tun hast. Absolut simpel und logisch. Wenn ich es nicht tue, weiß genau jeder ohne subjektiven Spielraum dass das nicht regelkonform war. PUNKT!

 

Ich sitze aktuell auch hier und arbeite seit einiger Zeit an konkreten Regeln für die Markttechnik, aber irgendwie tu ich mich nach Monaten der praktischen Anwendung schwer dieses undeutliche System zu fassen. Als Student bin ich mit dem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut, vielleicht bin ich deshalb so aufgeschmissen was dieses Thema angeht. Es ist in sich nicht geschlossen und vielleicht deshalb so wenig und doch so viel kritisiert. Ich fühle mich wie jemand der über Religionen diskutiert … ein endloses Thema, dass jeder für sich selbst auslegen kann.

 

Wenn ich mir das heute so durchlese, dann frage ich mich selbst warum ich eine solche Erwartungshaltung hatte. Natürlich müssen Regeln individuell gesehen werden. Das betrifft alle Bereiche. Wenn ich morgen bei einem neuen Unternehmen die selbe Position habe wie in meinem aktuellen, dann werde ich anderen Regeln ausgesetzt, obwohl ich unter Umständen das selbe tue. Ebenso gilt es für das Trading und die Markttechnik. Regeln müssen individuell erarbeitet und dem eigenen Tradingstil entsprechend ausgelegt werden. Allein schon das Thema Risikoneigung ist so immens individuell, dass man ein Regelwerk gar nicht schreiben könnte, weil es nur einem Bruchteil der Trader zusagen würde. Hier kommt auch wieder mein Update oben zum Tragen. Die Markttechnik ist kein festes System, sondern lediglich ein formulierter Erklärungsversuch für Reaktionen am Markt.

 

 

5.) Ständige Rechtfertigung seiner Trades

 

Aufgrund oben genannter Tatsachen ist es auch so, dass gemachte Trades oder geplante Trades ständiger Rechtfertigung bedürfen, da selbst Markttechniktrader nicht immer deutlich sehen was denn dort getraded wurde. Das heißt für den Trader dass die eigenen Regeln, obwohl diese deutlich definiert sind, stellenweise dennoch ständiger Rechtfertigung und Erklärungen bedürfen.

 

Wenn sich zwei Trader über einen Trade unterhalten und der eine sagt dass er wegen einem bestimmten Indikator einen Trade gemacht hat, dann kann das deutlich nachvollzogen werden, da der Indikator bei derselben Einstellung einen entsprechenden Wert angibt/darstellt. Somit dient der Indikator der Operationalisierung und beiden ist klar warum etwas getraded wurde. In der Markttechnik ist dies nicht deutlich, da ein Hoch per Definition eines Traders ein Einstiegssignal sein kann, per Definition eines anderen aber keines. Da es keine konkrete Messgröße in diesem Fall gibt, kann auch nicht sachlich diskutiert werden. Es findet lediglich eine oberflächliche Erklärung des eigenen Handelns statt.

 

So lange besagte Person damit Erfolg hat, wird auch kaum jemand dieser Person ihren Erfolg missbilligen, nur die logische Schlussfolgerung daraus ist simpel. Ein solches Verhalten, das ständiger detaillierter Erklärungen bedarf ist immer wieder individuell gestaltet. Für die ausführende Person ist es deutlich und klar was diese macht. Die subjektiven Regeln sind in Stein gemeißelt. Für denjenigen der dieses nun ebenfalls erlernen möchte, bleibt es aber ein Rätsel, es sei denn man lässt sich Monate/Jahre lang coachen. Dadurch versteht man aber nichts, sondern nimmt lediglich Gedankengänge des Coaches an.

 

Heute muss ich sagen, dass niemand irgendwem etwas zu rechtfertigen hat. Wenn Trader A sein System traded, dann ist dass für mich absolut irrelevant. Es kommt nicht darauf an Trades zu erklären/rechtfertigen, sondern ein Gesamtbild für sich selbst zu zeichnen und damit verbunden eine Erklärung für die EIGENEN Trades zu finden. Warum jemand anderes etwas wie macht, ist absolut uninteressant für die eigene Herangehensweise. Trading basiert auf einem allgemeinen Verständnis für die Märkte und vor allem für sich selbst. Der daraus resultierende Tradingplan, auf dem die eigenen Strategien und Trades aufbauen, muss nur für den Trader selbst Sinn machen. Der Erfolg gibt dem Trader recht oder eben nicht. Erklärungen anderen gegenüber sind absolut nicht von Belang. 

 

 

6.) Psychologie des „Gewinne laufen lassen“

 

Dieser Punkt ist nicht Markttechnik spezifisch, ich möchte dennoch darauf eingehen, da es ein relevanter Bestandteil vieler Markttechniktrader ist. Vor allem wird der Satz „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ sehr gerne herangezogen, wenn es darum geht pauschal etwas über das Risikomanagement auszusagen. Dass diese Aussage absolut logisch ist muss ich wohl kaum erklären, ebenso absolut nichtssagend. Hier ist weder definiert was genau eine Begrenzung der Verluste ist (1%, 2% ….?), ebenso ist nicht klar definiert was der Teil mit „Gewinne laufen lassen“ konkret bedeutet. Wie weit lasse ich meine Gewinne laufen und wann und WIE hole ich diese endlich aus dem Markt? Verluste lassen sich vielleicht noch mit 2% der Kontogröße pro Trade festlegen, aber was mache ich mit den Gewinnen? „Na, ist doch klar. Stops nachziehen bis man mit Gewinn ausgestoppt wird“. Und woher weiß ich dann was für eine Erwartungshaltung bzw. was für ein CRV mir der Trade bringen soll? Ich weiß also dass ich reingehe, ohne zu wissen wann ich rausgehe, außer meine Stoplogik wird gezündet? Das kann ich mir nicht vorstellen, aber eine Erklärung dazu habe ich nicht finden können.

 

Die Psychologie dahinter ist der eigentliche Kritikpunkt, denn Gewinne laufen zu lassen muss erst einmal verkraftet werden. Schließlich möchte niemand einen Buchgewinn nochmal hergeben und diesen einem Minus ausgesetzt sehen. Die Markttechnik definiert leider keine konkreten Zielsetzungen im Zusammenhang mit einem Erwartungswert. Es ist absolut unklar wie hoch das sogenannte CRV ausgelegt werden soll. Keiner sagt mir dass ich mit einem CRV-Ziel von 2.000:1 unrealistisch liege (vermutlich schon, aber das Ziel der Aussage sollte klar sein), ebenso wenig dass man 3:1 anvisieren sollte. Viele Markttechnikcoaches sprechen von 2:1 als Mindest-CRV. Das heißt ich sollte das Doppelte meines Risikos gewinnen können.

Mein Problem mit diesem Schema ist ein Einfaches. Wer bitte sagt dass ich 2:1 realistisch erreichen kann und wenn ich es erreicht habe, was dann? Nun, jetzt wird der ein oder andere sagen „Na laufen lassen, ist doch logisch“. Gut, aber wie genau lasse ich die laufen? Zieh ich den Stop pauschal auf break-even oder warte ich ein neues Tief ab (das weiterhin nicht definiert ist, außer ich definiere dieses selbst)? Das sind alles Fragen die nicht konkret beantwortet werden, sondern vielmehr „gezeigt“ werden müssen. Das heißt erst wenn der Markttechniker einen Chart vor sich hat, kann er erklären wo was hinkommt. Ohne Visualisierung funktioniert die gesamte Definition nicht. Genau deshalb ist die Definition an sich auch so nichtssagend. Zu sagen „Na beim Bewegungshandel ist das Ziel der letzte P2“ ist leider auch nicht so wirklich gewinnbringend, weil wir da wieder das Thema Visualisierung haben.

 

Auf Anfrage zu diesem Sachverhalt und meine kritische Haltung demgegenüber habe ich immer zu hören bekommen „Ein guter Trader weiß immer wie hoch sein Erwartungswert bzw. CRV sein soll“ oder aber „Ein professioneller Trader weiß immer wo sein T/P und S/L liegt“. Das mag alles sein, aber weder bin ich professionell, noch weiß ich damit was anzufangen. Diese schwammigen Ausführungen sind leider in der Markttechnik wie Sand am Meer zu finden. Jeder hat zu allem etwas zu sagen, aber einen Mehrwert liefern solche Aussagen nicht. Es wird immer so ausgelegt, als wäre man nicht in der Lage zu verstehen worum es eigentlich geht oder kann für sich die Quintessenz des Ganzen nicht erkennen. Die Aussagen dieser Personen sind meistens auch die Aussagen der Markttechniktrader, die kurz danach im Nirvana verschwinden, auf Nachrichten nicht mehr antworten und vermutlich eine 0 auf ihrem Konto stehen haben. Coaches verlangen auch für solche Gespräche wieder leider Geld …

 

Die meisten Trader lassen Gewinne nicht laufen, da die Stops zu eng gesetzt werden (aber trotzdem der Definition der richtigen Stopsetzung durch die Markttechnik entsprechen) oder Gewinne rausnehmen, da diese „ausreichend“ erscheinen und nicht hergegeben werden wollen. Ich selbst habe Trades gesehen, die ich so NIEMALS gemacht hätte und die zu Gewinnen führten, obwohl per Definition einiges falsch gemacht wurde. Natürlich kann es auch mal Aussetzer geben, aber wie genau erklärt man sich selbst und vor allem anderen nun genau was daran falsch und was daran richtig war? Schließlich war es ein Gewinner nach einem System das sich nicht messen lässt … Beweise sind somit unmöglich!

 

Lediglich eine optische Erklärung des eigenen Handelns wäre hier evtl. noch ein Mittel zur Erklärung des Ganzen, aber da sind wir WIEDER mal beim Thema Visualisierung und Messbarkeit. Für den einen Trade mag das alles dann auch logisch erscheinen, aber die Umsetzung des nun gelernten auf den nächsten Trade, bevor das Chartbild deutlich wird, ist wieder eine ganz eigene Herausforderung.

 

Dieses Thema ist für mich immer noch ein Rätsel, vor allem weil es von einem reinen Trendtrading ausgeht. Das CRV ist mit Sicherheit ein spannendes Thema, allerdings vernachlässigt man dabei sehr stark die Trefferquote. Letzten Endes braucht es kein großes CRV, wenn die Trefferquote hoch genug ist um gesetzte Stops und damit die Verluste profitabel auszugleichen. Auch hier kann man entsprechend seinem Tradingstil ganz unterschiedliche und profitable Methoden entwickeln um erfolgreich zu sein, ganz unabhängig der Markttechnik.

 

 

7.) Geringe Trefferquote

 

Die Trefferquote der Markttechniktrades im Zusammenhang mit Trendfolgemodellen ist sehr gering. Ich zumindest kenne keinen, der diesbezüglich eine hohe Trefferquote behaupten kann. Wenn die Trefferquote jedoch hoch ist, dann meistens weil die Gewinnsumme sehr gering ist und die wenigen großen Minustrades die vielen kleinen Plustrades auffressen. Dies habe ich selbst ausprobiert und es ist dann tatsächlich so dass die eigene Stopsetzung die kleinen Gewinne komplett auffrisst.

 

In Verbindung mit der Tatsache das Gewinne zu früh rausgenommen werden ist dieser Punkt hier fatal. Eine geringe Trefferquote in Verbindung mit zu früh rausgeholten Gewinnen kann gar nicht zum Erfolg führen. Da hier ständig davon gesprochen wird, doch die Gewinne laufen zu lassen und dem Markt „mehr Luft“ zu geben, frage ich mich weiterhin wie genau das jetzt nachvollziehbar erklärt, dargestellt und dupliziert werden kann. Aber diesbezüglich habe ich weiterhin keine konkrete Aussage erhalten …

 

Wenn überhaupt werden wieder Charts zur Hilfe genommen, so nach dem Motto „HIER machst du das und das“ … ja, super, nach der Methode bin ich Börsenguru und kann jedem sagen wo er hätte in welcher Aktie wann einsteigen müssen. Aber mit Worten erklären wie ich nun danach traden soll, ohne dass man Vergangenheitscharts auspackt weiß vermutlich keiner.

 

Ich trade heute eine Strategie mit hoher Trefferquote und geringem CRV. Die hohe Trefferquote macht die Strategie aktuell profitabel, weil ich mein Risiko- und Moneymanagement im Griff habe und statistisch vorgehe. Alles duplizierbar, messbar und absolut nicht subjektiv, sodass ich meine Herangehensweise in 30 Sekunden erklären könnte … alles nach dem Schema der Markttechnik 😉

 

 

8.) „Fachliche Unschärfe“

 

An dieser Stelle einmal kurz etwas zum Thema „fachliche Unschärfe“. Dieser Punkt wird in etwa so ausgelegt, dass vieles was vorher gesagt wurde in einigen Situationen auch absolut belanglos werden kann, da hier die „fachliche Unschärfe“ auch ungenaue Trades rechtfertigt, so lange diese im Nachgang logisch rechtfertigt werden können und zum Erfolg geführt haben. Diese logische Rechtfertigung erfolgt natürlich ausschließlich bei erfolgreichen Trades, da die mit Misserfolg nicht als „fachliche Unschärfe“ ausgelegt werden können. Schließlich war dieser Misserfolg dann nicht mehr fachlich unscharf, sondern schlichtweg fachlich falsch. Dieses wurde mir in Rücksprache mit einigen Markttechniktradern ebenso ausgelegt. Diese sagten ebenfalls dass der Versuch der „fachlichen Unschärfe“ sehr zum rumtraden durch Tradinganfänger einlädt.

 

Wie ich weiter oben bereits ausgeführt habe ist diese Art des Trading überaus subjektiv und dieser Punkt führt das Ganze nochmal ad absurdum. Wir haben also eine subjektive Darstellung nicht messbarer Ansätze, die wenn man darauf hinweist das es nicht der konkreten subjektiven Definition dieser Sachverhalte entspricht als „fachliche Unschärfe“ dargestellt werden. Vielleicht habe ich diesen Punkt auch einfach falsch verstanden, wie die gesamte Markttechnik, aber ich möchte auch keine 2000 Euro Coachinggebühr bezahlen, damit mir ein Fremder ohne fachliche Nachweise erklärt was genau daran nun nicht verstanden wurde.

 

Diesen Punkt habe ich tatsächlich nicht verstanden, weil es scheinbar einer großen fundierten Basis an pragmatischer Erfahrung mit dieser Methode geschuldet ist, dass Trader mit „fachlicher Unschärfe“ erfolgreiche Trades produzieren können. Wie oben bereits im Update erwähnt, ist die Markttechnik keine Strategie, somit kann auch „fachliche Unschärfe“ dazu führen, dass man darauf aufbauend eine Möglichkeit des profitablen Tradings für sich entwickelt. Wer öfter im Traders-Mag die Interviews ganz hinten im Heft verfolgt, der wird festgestellt haben, dass viele Trader dort aufführen mit ihrem subjektiven Trading keine festen Strategien zu haben. Vielmehr sind es Regeln, die auf deren Erfahrung basieren und mit Hilfe der eigenen Analysen (und dem Verständnis durch die Markttechnik) situationsbezogen umgesetzt werden.

Heute muss ich sagen, dass diese Herangehensweise sehr spannend für mich ist und ich absolut nicht mehr der Meinung bin, dass das irgendwie widersprüchlich ist. Letzten Endes zählt auch hier wieder nur der eigene Tradingstil.

 

 

Mein persönliches Fazit

 

Die hier aufgeführte Kritik entspringt meiner geringen Erfahrung mit der Markttechnik, einer größeren Recherche im Zusammenhang mit einem wissenschaftlich Ansatz (den ich immer noch suche …), zahlreichen Gesprächen mit Markttechnikanfängern und „Fortgeschrittenen“ (selbsternannt) sowie dem Versuch das ganze Konzept zu operationalisieren. Ich selbst könnte durch größere Versuche ein messbares System für mich ableiten, nur wäre es dann nicht mehr die Markttechnik, sondern das „Johann Markttechnik Addon für 2.500 Euro“ … Vielleicht eine Idee wert, schließlich gibt es davon so wenige (Ironie).

 

Ich streite nicht ab dass die Markttechnik für einige Menschen da draußen funktionieren mag, denn diesbezüglich gibt es zahlreiche Trader die damit Geld verdienen, ob es nun durch das Coaching ist oder aber durch das Trading. Zumindest verdienen sie MIT der Markttechnik Geld.

 

Meine oben aufgeführten Punkte sind stellenweise sachlich, stellenweise subjektiv und emotional dargestellt. Dies ist bewusst von mir so gewollt, denn eine komplett sachliche Kritik an der Markttechnik wäre hier nicht sachdienlich, da viele Trader zu emotional und dogmatisch mit diesem Thema umgehen, als das man hier sachlich und analytisch herangehen könnte. Zudem ist die Frage wie man etwas so subjektives nun analysieren möchte weiterhin offen.

 

Grundsätzlich gönne ich jedem seinen oder ihren Erfolg und möchte nichts schlecht reden. Mir geht es nur darum meine Erfahrung und Kritik zu äußern, sowie die Augen der meisten Menschen da draußen für Kritik zu öffnen. Ob dies nun die Markttechnik ist, der Optionshandel, der Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens …. Was auch immer. Seid kritisch mit der Darstellung von Verkäufern, denn nichts anderes machen wir Menschen, wenn wir etwas gut finden. Wir verkaufen es einem anderen, ohne meistens zu wissen was da genau dahinter steckt. Bei Börsenthemen und gerade dem Trading ist es nochmals umso kritischer, da ein Großteil der Coaches die man antrifft keine nachweislichen Fachkenntnisse haben, die sie dazu befähigen euch etwas beizubringen. Nur weil jemand traded heißt es nicht dass er erfolgreich ist und nur weil jemand einen Youtubekanal und eine Homepage hat heißt das nicht dass er ein Coach ist. Die Fähigkeit Wissen zu vermitteln hat erst einmal wenig mit der Fähigkeit der Anwendung dieses Wissens zu tun, denn das wäre im Nachgang eure Aufgabe. Das Gelernte müsst ihr anwenden, doch es ist am Coach euch das so rüberzubringen das ihr versteht worauf es ankommt. Ein finanziell erfolgreicher Coach ist auch noch lange kein guter, auch dazu gibt es Beispiele auf Youtube, nur leider werden auch hier die negativen, aber sachlichen Kritiken immer wieder gelöscht. Verbunden mit einem sympathischen Auftreten und gutem Marketing kann man sich auch mal die Auswanderung in sonnige Länder leisten.

 

In diesem Zusammenhang solltet ihr alles kritisieren und hinterfragen was nicht messbar ist. Ich persönlich finde dass meine oben genannten Punkte sehr viel darüber aussagen wie ein System aufgebaut sein sollte, denn das sind alles Kritikpunkte die die Markttechnik leider nicht erfüllt. Wenn jemand ein System der Markttechnik für sich abgeleitet hat, die funktioniert, dann bleibt bitte dabei. Es soll nicht so rüberkommen, als würde ich absolut nichts von der Markttechnik halten, nur finde ich dass es sich als alleiniges Tradinginstrument nicht eignet.

 

Zum Schluss möchte ich aber noch einige positive Aspekte der Markttechnik in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen. Das Verständnis für bestimmte Entwicklungen im Markt lässt sich über die Markttechnik recht gut verdeutlichen. Ich möchte dieses Wissen, wenn auch nicht zur Gänze verinnerlicht, nicht missen, denn es erleichtert mir vielerorts den Chart etwas besser zu analysieren. Da ich aber der Meinung bin das die Entwicklung am Markt unvorhersehbar ist und rein gar nichts mit irgendwelchen markttechnischen Sachverhalten zu tun hat, ist dieses Wissen nur ein kleiner Baustein im Wissen um die Börse. Die Markttechnik eignet sich absolut nicht als eigenständiges Tradinginstrument, zumindest nicht für 99,9% der Trader da draußen. Für alle anderen ist es ein sehr hilfreiches kleines Tool, um die vielen Marktbewegungen da draußen erklären zu können. Ob man diese nun erklären können muss oder nicht bleibt dahingestellt, aber es ist dennoch interessant was sich dahinter verbirgt. Somit bleibt die Markttechnik für die Chartanalyse nützlich und auch für das Trading relevant.

 

Weiterhin ist beim Thema Markttechnik die eigene Psychologie der größte Faktor. Bei fehlender Messbarkeit der eigenen Herangehensweise bedarf es umso mehr Disziplin, Willensstärke und der ständigen eigenen Reflexion um mit dieser Methode erfolgreich zu sein. Schließlich seid ihr diejenigen die die Regeln festlegen und diese dann umsetzen müssen. Die Erarbeitung der Regeln bedarf erstmal sehr viel Zeit, so meine persönliche Einschätzung, die erfolgreiche Umsetzung dann ein riesen großes Stück Disziplin und damit dann auch noch erfolgreich zu sein vermutlich eine Mischung aus viel Zeit und damit verbundener steigender Disziplin.

 

Meiner Meinung nach KANN man mit der Markttechnik erfolgreich sein, nur ist es eine sehr spezielle Art des Tradings und ob es mittel- bis langfristig zu profitablem Trading führt kann ich nicht beurteilen. Dafür fehlen weitestgehend die lebenden Beweise, da ich nicht genau sagen kann ob diese nun Coaches sind die nebenbei traden oder Trader die nebenbei coachen.

 

Ich hoffe euch hat das Lesen meiner Kritik so viel Spaß gemacht wie mir das Schreiben. Ich werde zwischenzeitlich immer wieder Updates einfügen und diese farblich kennzeichnen, damit klar wird wie sich meine Meinung evtl. ändert oder entwickelt. Schließlich lernt man nie aus, deshalb auch das Datum zum Anfang.

 

Als letztes möchte ich nochmal erwähnen, dass die hier dargestellten Kritikpunkte meine persönliche Meinung sind. Weder möchte ich hier eine Diskussion um Sinn und Unsinn über die Markttechnik vom Zaun brechen, noch bestimmte Coaches kritisieren. Der Sinn dieses Artikels ist es nur euch etwas nachdenklich zu stimmen und noch einmal zu reflektieren ob das was ihr macht wirklich erfolgsversprechend ist. Wenn es das ist, dann fragt euch warum und basierend auf welchen Daten, denn genau das ist was einen Erwartungswert ausmacht. Nicht die Hoffnung auf ein CRV von 4:1, sondern die messbare Wahrscheinlichkeit dieses auch zu erreichen. Alles andere sollte den „Magiern der Märkte“ überlassen werden, denn diese zaubern euer Geld in deren Brieftasche.

 

Ich bin auch weiterhin darauf aus die Markttechnik erfolgreich anwenden zu können, da ich sehr ehrgeizig bin und selbst bei geringen Erfolgserwartungen trotzdem verstehen möchte warum ein System genau für einige wenige funktioniert und für andere nicht. Mir geht es nicht darum das ich selbst mit dieser Methode irgendwann große Gewinne einfahre, sondern vielmehr darum für mich eine Möglichkeit zu verstehen wie diese auf mich bezogen funktionieren kann und darüber hinaus dann auch Regeln abzuleiten damit ich erfolgreich damit sein kann.

 

Heute wende ich die Markttechnik erfolgreich an, ohne irgendweche subjektiven Faktoren mit einfließen zu lassen. Ich habe für mich verstanden, was die Markttechnik eigentlich ist, was Michael Voigt mit vielen seiner sehr philosophisch verfassten Aussagen in seinen Büchern gemeint hat und wie ich diese Methode so für mich anpassen und umsetzen kann, dass ich meinen eigenen Tradingstil daraus entwickeln werde. Weiterhin habe ich verstanden was für einen Mehrwert ein Coach in dieser Hinsicht hat und das die Erwartungshaltung etwas „geliefert“ zu bekommen im Zusammenhang mit einem Coaching lächerlich ist. Der Coach führt einen langsam auf dem eigenen Weg ein Stück weit in die richtige Richtung und gibt Input wenn man vom Weg abweicht. Die Arbeit muss man aber immer wieder selbst machen.

 

Trading ist ein einziges Fleißgeschäft, unabhängig davon welches Instrument, System oder welche Strategie man wählt. Aussagen die interpretiert werden können werden nicht gemacht, um etwas schwammig auszudrücken, sondern weil es eben ein sehr individuelles Business ist. Mein Coach sagte einmal „Im Trading geht alles“ und mittlerweile verstehe ich die Aussage auch im Ansatz. Man sollte Trading nicht auf die Möglichkeit Geld zu verdienen reduzieren, sondern Spaß daran haben dass Spiel zu spielen und zu siegen. Letzten Endes ist auch die Markttechnik nichts anderes als ein abstraktes Konstrukt, dass Abläufe zu erklären versucht. So wie es in der Wirtschaft viele Modelle gibt, die man analysieren und testen muss, so ist es auch im Trading. Wenn Modell A nicht passt, dann baut man eben ein Modell Z28 für sich selbst, dass der eigenen Persönlichkeit und den Umständen entspricht.

 

Euch allen erfolgreiche Trades und bleibt mir erhalten!

 

Gruß

Johann

4 Comments on “Markttechnik – Eine kritische Betrachtungsweise

  1. Hey Johann,

    erstmal vielen Dank für deine ausführliche Meinung zur Markttechnik. Wirklich super geschrieben und in vielen Sachen stimme ich dir definitiv zu. Das was mich am meisten an deiner Meinung überzeugt hat und mir gezeigt hat, wie intensiv du dich wirklich damit auseinandergesetzt hast ist, dass dir die Subjektivität der Markttechnik aufgefallen ist. Das ist das gleiche Prinzip wie auch in der Charttechnik. Die Trader malen sich ihre Welt so wie sie einem gefällt. Im Nachhinein ist alles klar.

    Ich betreibe auch einen Blog namens „Statistic-Trading“ und möchte hier auch keine Werbung machen. Doch ich habe auf meinem Blog einen Artikel über die Markttechnik In Verbindung mit der Statistik geschrieben. Hier der Artikel: https://www.statistic-trading.de/wp-admin/post.php?post=318&action=edit&lang=de . Das ist ein 3 Teiler und da dir die Grundlagen schon klar sein sollten, kann ich dir empfehlen, dass du bei dem 2. Teil beginnst 🙂

    In dieser Artikelreihe habe ich markttechnisch Trends nach OBJEKTIVEN Faktoren analysiert und untersucht und herausgefunden, in welchen Marktphasen ein Trade überhaupt Sinn ergibt und in welchen nicht. Vielleicht kann dir der Artikel helfen oder auch nicht.

    Solltest du noch eventuelle Fragen oder Anliegen haben oder dich einfach nur über die Markttechnik unterhalten wollen, dann kannst du mich gerne unter info@statistic-trading.de erreichen.

    Ps: Ich habe es geschafft, mit einer eigenen Methodik, Markttechnische Trends für meine Ansicht komplett Objektiv zu definieren, so dass man diese theoretisch einem Computer beibringen könnte 🙂

  2. Hi.
    Sehr beeindruckend, wie viel Zeit du dir für deine „Reflektionen“ nimmst.
    Also als Hinweis auf die lapidaren Aussagen zu den Tradingzielen kann ich nur bestätigen, dass
    bei mir erst Qualität und Konstanz Einzug hielten, als ich begann, mich vor allem mit den Zielen zu beschäftigen.
    Ein guter Einstieg ist Übungssache, aber der gute und klare Ausstieg entscheidet alles.
    War zuvor keine klare Ausstiegsregel vorhanden, spielte mir die Psychologie oft Streiche, die Unsicherheit wuchs mit der Dauer des Trades
    und ich hatte 0 Ahnung wo ich eigentlich hinwollte.
    Als einfaches Mittel zur Zielbestimmung kann ich vor allem das Arbeiten mit Fibonacci-Zielen empfehlen.
    In Korrekturtrends (also untergeordnete Trends in übergeordneten Korrekturen) zielst du auf die 138,2 % in Impulstrends auf die 161,8 %.
    Wenn du dabei noch auf ein annehmbares CRV achtest, bewegst du dich in einem Rahmen, der klar umrissen ist.
    Gruß

    1. Hallo USM.
      Danke für deinen Kommentar und die darin enthaltenen Tipps. Ich denke gerade die von dir angesprochenen klaren Ziele sind ein Entwicklungsprozess, der mit der Erfahrung immer deutlicher wird und letzendlich zu einem Ergebnis führt. Ich habe das Instrument Markttechnik für mich noch nicht abgeschrieben, weil ich denke das es einen Mehrwert bietet sich damit zu beschäftigen.
      Was die Fibonaccis angeht, so bin ich aktuell auch dabei mir diese etwas konkreter anzuschauen 🙂
      Gruß
      Johann

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