Systemtrading – Vor- und Nachteile basierend auf den subjektiven Erfahrungswerten eines Anfängers

März 28, 2018 Johann No comments exist

Stand: 21.03.2018

 

Hallo liebe Leser.

 

Im heutigen Artikel möchte ich euch meine subjektiven Eindrücke des Systemtradings schildern, welches ich in 2017 mit Unterstützung meines Coaches getestet habe. Selbstverständlich sind alle Darstellungen meiner Meinung entsprungen und ich behalte mir vor diese auch als solche deutlich zu kommunizieren. Ich bediene mich hier weder relevanter Studien, noch der Meinung anderer und spiegel somit ausschließlich meine eigenen Erfahrungen wider. Weiterhin behalte ich mir vor einige Punkte bewusst oder unbewusst auszulassen, da diese mir entweder nicht einfallen, auffallen oder aber schlichtweg meiner Meinung nach nicht relevant für den Artikel sind.

Ich mache weiterhin hiermit deutlich, dass ich keinem Trader oder Leser auf den Schlips treten möchte. Mir geht es lediglich darum für mich zu dokumentieren, wie ich zum Systemtrading stehe und welche Erfahrungen ich gemacht haben. Vielleicht helfen meine Ausführungen zum Systemtrading dem ein oder anderen sich diesbezüglich zu orientieren.

 

Kurz zum Background: Nachdem ich in 2016 mein 500 Euro Livekonto auf 250 Euro runtergetraded und dann auf etwas über 300 wieder hoch gehandelt habe, war ich die gesamte zweite Hälfte des Jahres mehr oder weniger break-even. In dieser Zeit habe ich pauschal nach den Ansätzen getraded die Michael Voigt in seinen Büchern beschrieben hat, was natürlich zum Scheitern verurteilt war, da die dortigen Erklärungen keine Strategien darstellen, sondern lediglich Erklärungen für das Verhalten einzelner Marktteilnehmer bieten. Ende 2016 kam ich über meinen Blog in Kontakt mit meinem Coach und wurde in den ersten Monaten mit vielen Aufgaben konfrontiert, damit ich mir eine Basis für das Trading erarbeiten konnte. Anhand meiner Persönlichkeit und des Tradingplans kam heraus, dass ich gerne im vollautomatisierten Handel tätig werden wollte, weshalb wir uns erst einmal daran machten mir beizubringen wie man Strategien entwickelt und diese systematisch nach dem Systemtradingansatz handelt. Ich hatte daraufhin insgesamt 3 Strategien, die ich regelmäßig anhand des Regelwerks eigenständig per Hand ausgeführt habe, was mit einem geringen Zeitaufwand verbunden war, aber dennoch den regelmäßigen Einsatz meiner Person erforderte.

 

Ende 2017 stoppte ich meinen Ansatz des Systemtradings, da mir einige für mich nicht mehr umsetzbare Hürden ins Auge stachen. Diese hängen mit dem vollautomatisierten Trading sowie den Nachteilen des Systemtradings zusammen. Diese Erkenntnisse möchte ich nun in diesem Artikel zusammenfassen.

 

Ich möchte noch einmal darauf verweisen, dass dies lediglich Erfahrungswerte anhand eines Jahres sind und ich mich definitiv nicht als erfahrenen Trader bezeichnen würde. Deshalb sollte sich jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema machen und möchte sich bitte von keiner meiner Äußerungen angegriffen fühlen. Weiterhin möchte ich niemanden vom Systemtrading abhalten, noch möchte ich jemanden dazu auffordern es zu versuchen.

 

Was ist eigentlich Systemtrading?

Nun, diese Eingangsfrage allein ist schon kaum zu beantworten, denn es gibt keine eindeutig einheitliche Definition. Das Systemtrading wird oftmals auch als Algo-Trading oder voll automatisiertes Trading bezeichnet. In dieser Form führt ein festgelegter Algorithmus die Trades automatisch am PC durch und der Mensch erarbeitet eigentlich „nur noch“ die Strategie. Diese Definition ist für mich persönlich allerdings etwas simpel gefasst. Leider lässt sie auch jeden außen vor, der feste Regelwerke hat und diese nicht mehr subjektiv, sondern objektiv eigenständig durchführt. Das heißt nicht nur die Strategie entwickelt, sondern im Nachgang auch die Trades manuell ausführt.

 

 

 

 

Ich möchte hier keine Diskussion um die Definition und die Abgrenzung von diskretionärem Handel, dem Systemtrading bzw. dem vollautomatisierten Trading anstoßen, aber jedem dieser Ansätze geht eine Strategie voraus. Diese ist nach Möglichkeit in einem Backtest zu prüfen und im Demotrading im Vorfeld des Handels zu testen. Einige diskretionäre Strategien können nicht qualitativ getestet werden, da diese aus dem „Bauchgefühl“ des Traders entstanden sind und dieses auch als einen der Parameter beinhalten, weshalb ein Backtest nicht möglich ist.

 

Man könnte behaupten dass dem Systemtrading der diskretionäre Ansatz vorausgeht um die Strategie zu entwickeln. Hat der Trader nun eine oder mehrere Strategien entwickelt und diese auch im Demotrading als Systemtrader getestet, könnte er diese in einen festen Algorithmus programmieren bzw. programmieren lassen, wobei aus dem Systemtrading letzten Endes der vollautomatisierte Handel bzw. das Algo-Trading wird. Somit wäre meine Definition die, dass eine festgelegte Strategie, die keinen Interpretationsspielraum zulässt und bei JEDEM Signal manuell getraded wird ein Systemtrading. Wird diese Strategie allerdings nur zu den bestimmten Tradingzeiten des Traders gehandelt und lässt somit auch einige Signale aus, dann ist es diskretionäres Trading. Der Trader setzt somit zwar eine feste Strategie um, tut dies allerdings ausschließlich im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten. Der statistische Bezug und Ansatz bleibt weiterhin bestehen, lediglich die Anzahl der Trades wird auf das festgelegte Zeitfenster reduziert.

Dieser Ansatz hat jedoch das Risiko dass Backtests keine relevanten Daten mehr ausgeben, da der Trader nicht garantieren kann, dass innerhalb seines Zeitfensters auch tatsächlich jedes Signal gehandelt worden wäre.

 

Mein Ansatz des Systemtradings

Mein persönlicher Ansatz des Systemtradings war ziemlich genau der oben dargestellte. Ich habe anfänglich Strategien diskretionär entwickelt bzw. versucht zu entwickeln, da dies eine Herausforderung in sich ist um diese dann systematisch im Metatrader umzusetzen. Das heißt der erste Schritt war grundsätzlich immer eine Tradingidee, die anhand von Chartanalysen im entsprechenden Markt, in meinem Falle der Währungsmarkt, entwickelt und weiter im Detail fortgeführt wurde um diese in regelmäßigen Backtests entsprechend auszubauen. Die Idee dahinter war jedoch jeden Trade auch umzusetzen.

 

Nachdem nun die diskretionäre Idee entstanden ist wurde diese anhand des Regelwerks im entsprechenden Währungspaar umgesetzt. Diesen Ansatz habe ich bei allen Strategien verfolgt und bekam diesbezüglich relevante Unterstützung durch meinen Coach. Zugegeben, ich hätte die Strategien in dieser Form mit Sicherheit niemals so schnell ohne Hilfe erarbeiten können, da mein grundsätzliches Kreativitätsproblem aus dem Jahr 2016 und dem diskretionären Ansatz hier erneut zutage trat und auch weiterhin besteht.

 

Vorteile des Systemtradings

Die Vorteile des Systemtradings sind stichpunktartig folgende:

– Festgelegtes Regelwerk, das keinerlei Interpretationsspielraum zulässt

– Automatisierte Backtests möglich, somit aussagekräftige Testung der Strategie

– Es bedarf ggf. keiner umfangreichen Marktanalyse mehr, da die Strategie & evtl. der Markt festgelegt sind

– Duplizierbarkeit jedes einzelnen Trades

– Kein „Bauchgefühl“ bei der Tradeumsetzung

– Trades sind innerhalb der Strategie logisch und können argumentiert werden

 

Kurzum hat das Systemtrading jeden Vorteil gegenüber dem was ich in der Markttechnik als, für mich persönlich relevante Nachteile definiert habe.

 

Nachteile des Systemtradings

Jedes Tradesignal muss gemäß dem Regelwerk umgesetzt werden, unabhängig der subjektiven Marktmeinung des Traders

– Jedes Tradesignal muss gemäß dem Regelwerk umgesetzt werden, unabhängig der zeitlichen Verfügbarkeit des Traders

– Curve Fitting bei der Strategieerstellung möglich und wahrscheinlich, das heißt der Trader bastelt so lange an der Strategie rum bis diese zu den Daten aus dem Backtest passt und besonders gut performt

– Die Analyse des Marktes und somit das Auseinandersetzen mit dem Markt entfällt komplett, da dieses nur bei der Erstellung der Strategie relevant wird. Trades werden nur „zombieartig“ pauschal umgesetzt, die Marktmeinung spielt absolut keine Rolle mehr, da das Regelwerk die Klicks quasi vorgibt

– Strategieerstellung erfolgt weiterhin durch subjektive Chartanalysen des Traders (Ausnahme sind Institutionelle, mit entsprechender Infrastruktur und Know-How)

 

 

Der Schritt zum vollautomatisierten Handel

Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass ich niemals bis zum vollautomatisierten Handel kam, da die Kostenfrage in diesem Zusammenhang jeglichen nächsten Schritt zunichte gemacht hat.

 

Der vollautomatisierte Handel legt einen Algorithmus (Programmcode) zugrunde, der die vorab erarbeitete Strategie automatisch umsetzt. Hier gibt es nun die Möglichkeit diesen Code selbst zu schreiben, was bei nicht vorhandenen Programmierkenntnissen entsprechende Zeit und Eigeninitiative erfordert. Dies hat den Nachteil, dass man einen zeitlich relevanten Mehraufwand hat und diesen entweder von seiner Freizeit oder vom Trading abschneiden muss, was für mich an dieser Stelle noch verkraftbar wäre, aber die Dauer eine Programmiersprache zu erlernen ist nicht zu unterschätzen. Weiterhin bedient sich diese demselben Prinzip wie alles andere, nämlich das man das Gelernte anwenden muss und ich es nicht als besonders spannend ansah mich immer wiederkehrend mit dem Programmieren beschäftigen zu müssen. Somit war dies das erste Hindernis und kam für mich kaum in Frage.

 

Der zweite Weg wäre gewesen jemanden damit zu beauftragen die Strategie in einen entsprechenden Code umzusetzen. Ich hatte diesbezüglich Kontakt zu mehreren Entwicklern und habe mich ausgetauscht. Ohne das ich hier Zahlen für die eine Strategie nennen möchte, wäre es einfach ein Unding gewesen mit meinem Gehalt solche Kosten, ohne konkrete Aussichten auf zeitnahen Erfolg, auf sich zu nehmen. Weiterhin wäre es mit dieser Strategie noch nicht einmal getan, da das gesamte Portfolio der Strategien immer wiederkehrend programmiert werden müsste, was natürlich ständige Kosten mit sich führt. Für jemanden mit einem riesen Tradingkonto mag das kein Argument sein, aber wenn man „nur“ im niedrigen fünfstelligen Bereich unterwegs ist, dann tut das schon weh erstmal ein paar Tausend Euro für Strategieprogrammierung zahlen zu dürfen.

 

 

 

 

Die regelmäßigen laufenden Kosten für einen Server sind hier noch nicht einmal besonders relevant, auch wenn diese auch nochmal dazu kommen. Das heißt im ersten Schritt sind ein paar Hundert oder Tausend Euro für die Strategien auszugeben, damit diese programmiert werden können. Diese müsst ihr natürlich dann auf dem kostenpflichtigen Serversystem, auf dem euer Portfolio laufen soll, erproben und schauen ob die Programmierung zufriedenstellend läuft und erst dann könnt ihr diese überhaupt einschalten um damit zuerst einmal im Demohandel zu schauen ob alles funktioniert und nach einigen Wochen/Monaten dann live zu gehen. Somit ist im ersten Schritt ein riesen Rattenschwanz in Form der vorausgehenden Kosten zu tragen, bis man überhaupt einmal den ersten Cent verdient. Wenn ihr jetzt nun Pech habt und eure Strategie geht in einer ungünstigen Marktphase live, macht ihr erstmal Verluste und müsst die Strategie ggf. wieder in den Demohandel nehmen, bis diese profitabel weiter läuft.

 

Grundsätzlich wäre dies kein großes Hindernis, nur leider verhält es sich mit jeder Strategie so. Die Kosten die vor dem eigentlichen ersten Trade damit einhergehen waren für mich letzten Endes die Einsicht, dass dieser Ansatz in den nächsten 10-15 Jahren kein Thema für mich wird. Das Geld spare ich mir sehr viel lieber, denn das Trading birgt mehr als eine Möglichkeit Geld zu verdienen in sich und das Algotrading ist meiner Meinung nach für Personen mit kleinem Tradingkonto absolut uninteressant.

 

Nichts desto trotz hat das Algotrading den eindeutigen Vorteil, dass man nicht ständig manuell etwas ausführen muss, sondern lediglich das Management des Portfolios betreibt und die Strategien verwaltet und neue entwickelt. Ob dies einem das Geld wert ist, möchte ich nicht beurteilen, für mich war an der Stelle dann definitiv auch der Schalter auf „aus“ gestellt und ich habe mich gefreut eine neue, sehr spannende Tradingerfahrung gemacht zu haben.

 

Persönliches Fazit

Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass das Systemtrading mir sehr liegt, vor allem weil ich die Tradeausführung selbst in der chart- bzw. markttechnischen Umsetzung sehr träge und langweilig finde. Die Logik im Systemtrading liegt mir sehr, aber das Problem ist einfach dass auch hier erst einmal eine Strategie anhand von Mustern erarbeitet werden muss, bei der ich wiederrum persönlich Probleme hatte. Das heißt der erste Schritt der Strategieentwicklung erschwert mir das Ganze.

 

Für Trader die keine besondere Fähigkeit in der Visualisierung der Charts haben könnte das Systemtrading eine gute Möglichkeit sein Strategien zu erarbeiten, aber eben nicht ständig neu analysieren zu müssen, sondern die vorab definierte Logik simpel umzusetzen und im Nachgang statistisch festzuhalten ob es gewinnbringend gewesen wäre bzw. war oder eben nicht. Das heißt das Bauchgefühl und die Emotionen werden hiermit mehr oder minder aus dem eigentlichen Trade herausgenommen. Zudem muss nur einmal kreativ in der Strategieentwicklung gearbeitet werden, anstatt bei jedem einzelnen Trade neu interpretieren zu müssen.

 

Meine Schlussfolgerung ist, dass ich das Systemtrading manuell nicht umsetzen möchte, weil es mich unfassbar langweilt und ich auch nicht die Möglichkeiten habe entsprechend zu traden. Weiterhin ist der Folgeschritte des vollautomatisierten Handelns mit meinem aktuellen Kapital nicht umsetzbar, zumal ich auch in Zukunft ein solches Geld nicht ausgeben möchte. Somit bleibt für mich persönlich nur die Distanzierung zu dieser Vorgehensweise, wenn ich auch weiterhin interessiert bin an einer abgewandelten Form meiner eigenen Ausführung. Die Logik hinter dem Systemtrading lässt sich nämlich auch in größeren Zeithorizonten traden, das heißt im Tages/Wochen/Monatschart, weshalb dieser Ansatz mir aktuell weiterhin spannend scheint. Ein solches Trading wäre mit Sicherheit auch für jeden Berufstätigen umsetzbar.

 

Selbstverständlich behalte ich mir vor meine Meinung im Laufe meines Traderlebens ändern zu wollen und zu dürfen. Diese werde ich, sollte es relevante Abweichungen geben, mit einem entsprechenden optischen Update in den Artikel einpflegen.

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